Günstig gärtnern, nicht billig

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Dein Garten oder Balkon fordert von Dir nicht nur Zeit und Mühe, sondern auch Geld. Damit er Dich finanziell nicht überfordert und Du Dich seiner ungetrübt erfreuen kannst, musst Du nur eines kennen, und das ist der Unterschied zwischen günstig und billig.

Mir geht es explizit nicht darum Dich zum Geizen anzuregen. Im Gegenteil. Du sollst im Überfluss baden und vor Glück und Freude schweben. Unabhängig von Deinem Budget, weil das Budget VOLLKOMMEN EGAL ist in der Frage, wie erfüllend Dein Gärtnern sein wird, und wie schön und wunderbar.

1. Du kaufst nicht, sondern investierst.

In den Baumärkten locken Dich Schnäppchen-Angebote à la „Hochbeet für 29,99“. Und eine – dem aktuell als ideal angesehenen Konfektionsmaß entsprechende – Frau lächelt kürbisgroße Radieschen an. Zu ihren Füßen sichtlich hoch zufriedene Kinder, die niemals nicht etwas anderen tun würden, als ihrer Mami ungetrübte Sonnenstunden zu schenken. Der Himmel für 29,99 Euro? Natürlich Unsinn. Du weißt das auch. Aber rufst Du es Dir auch in Erinnerung? Ich mache mich über solche Werbung immer, immer, immer lustig, weil ich mir nicht von fiktiven Idealen mein viel schöneres Leben in Zweifel ziehen lasse.

Gute Qualität erkennst Du nicht am Bild oder am Slogan, möge er auch noch so gut gemacht sein – der Hornbach-Jingle zum Beispiel macht mir immer Lust da hin zu fahren, was ich dann aber nicht tue, vielleicht auch weil er hier keine Filiale hat, erwischt :  ). Auch die Marke ist nicht aussagekräftig, aber auf Material und Verarbeitung kannst Du achten.

Und da fängt Deine Arbeit als „Verbraucher, Fachgebiet Garten“ an: Damit Du einschätzen kannst, was hochwertig ist und was nicht, musst Du Wissen sammeln und ein Gespür bekommen, Dich zum „aufgeklärten Verbraucher“ entwickeln. Das kann man genau so lernen, wie man auch lernen kann gut zu kochen oder Auto zu fahren oder sich zu kleiden. Aber man muss es eben lernen, wenn man es können will und nicht nur irgendwie machen. Und lernen bedeutet immer: Fragen, fragen, fragen, wenn Du einen Profi aufsuchst oder anrufst. Dein Ziel ist nicht „Glück durch Kauf“, sondern „Glück durch Wissen“. Du hinterfragst, suchst den Sinn. Und Du erfühlst, ganz sinnlich und un-theoretisch, was diesen Sinn am besten erfüllt und Deinem persönlichen Stil entspricht. Abgewöhnt habe ich mir so die Idee einer Kräuterspirale, die brauche ich nicht, weil ich die Kräuterfrage anders kläre.

Auf diese Weise landest Du mit Sicherheit nicht beim günstigsten Hochbeet. Auch nicht beim teuersten, denn es gibt auch im Hochpreissegment viel eklatanten Blödsinn, wie Du sehen wirst. Aber beim besten landest Du – meiner Meinung nach hier – und das ist genau da, wo Du hin wolltest. Das Beste ist dann jeden Cent wert. Nicht nur weil es funktioniert, einwandfrei, sondern vor allem weil Du jedes Mal, wenn Du’s ansiehst, daran ungetrübte, enorme, exponentiell wachsende Freude hast. Und das ist der Sinn von jedem Ding, das Du Dir anschaffst: Freude. Schimmernde, leuchtende, prickelnde, zum federleicht Fliegen und wonnigem Summen anregende Freude.

Die von Dir mit Wissen und Bedacht ausgewählten Dinge werden wie gute Kollegen. Und zusammen seid ihr ein gutes Team. Du hast sie nicht nur gekauft, sondern Du hast in sie investiert. Nicht in billig, und damit teuer, sondern in hochwertig, und damit günstig. Du hast auch in Dich investiert (weil alles, was Du tust, zum Ausdruck bringt, wie Du Dich und die Welt siehst).

Auf dem Weg hin zum Moment des Kaufs hast Du unendlich viel gelernt, Dir Wissen angeeignet, das Dich vor Fehlkäufen und Frust bewahrt, und der Kauf selbst ist dann nur ein kleiner letzter Schritt, der kleinste. Und zuweilen erübrigt er sich dann sogar, weil Du merkst, dass Du ihn nicht mehr gehen willst, weil Du so schon weit genug gekommen bist. Und plötzlich ist riesig viel Budget frei (und vor allem bist Du frei, und das zählt).

2. Du investierst beim Profi.

In Baumärkten gibt es – korrigiert mich, wenn ihr andere Erfahrungen gemacht habt – nichts wirklich Gutes, sondern nur Schrott. Auf ein paar Schrottdingen klebt ein bekannter Markenname. Diese Marken sind auch die, die in die offensichtlichste Werbung investieren. Aber es bleibt Schrott. Ich kaufe im Baumarkt nur noch Schrauben, Nägel, Farbroller fürs Renovieren und zugeschnittenes Holz, das ich verbauen will. Alles andere kaufe ich bei Fachhändlern. Fachhändler erkennt man daran, dass ihre Produktpalette  eingeschränkt ist. Sie bieten Produkte an, deren Material oder Zweck miteinander zu tun hat. Und darüber hinaus verkaufen sie nichts. An der Kasse gibt es auch keine Billig-Fähnchen oder Billig-Süßigkeiten, die Dir den Bezahlvorgang schmackhaft machen sollen. Aber es gibt Tipps vom Spezialisten, die Gold wert sind.

Diese Produkte haben alle gemeinsam, dass sie von Menschen gemacht sind, die ihren Namen darauf schreiben. Die auch noch in fünf Jahren da arbeiten, weil sie fester und wichtiger Teil eines Unternehmens sind, mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Wissen unersetzlich. Du kaufst kein „no-name-Markenprodukt“, sondern das Wissen, die Erfahrung, die Hingabe und Liebe eines Menschen, der sich viel Zeit genommen hat. Der etwas entwickelt hat, das Dir und anderen das Leben leichter machen soll. Er verkauft Dir sicher nichts, das nach Ablauf der gesetzlichen Garantie kalkuliert kaputt geht. Weil er das als unanständig empfinden würde.

Also: Bäume in der Baumschule. Blumen vom Gärtner. Hochbeete vom Hochbeetbauer. Rankhilfen vom Rankhilfenspezialisten. Du kaufst ja auch kein Fleisch an der Tankstelle. Oder?

Dank des Internets finden wir diese Meisterinnen und Meister ihres Fachs direkt und ohne Umweg!

3. Du nimmst Dir Zeit.

Pflanzen wollen wachsen, sie lassen sich leidenschaftlich gern vermehren und Du kannst, wenn Du weißt wie, viele Pflanzen selbst ziehen. Das braucht zwar mehr Zeit, als auf einmal alle Pflanzen zu kaufen und zu setzen, aber Du sammelst Wissen und Erfahrung. die Dich zum Beispiel vor Fehlkäufen bewahren und entwickelst ein Gespür für den genius loci Deines Gartens, für Deinen Geschmack und Deine echten Bedürfnisse.

Du kannst unterschiedliche Funkien setzen, die Du drei Jahre später teilst, statt sofort alles zu zupflanzen. Kannst von einem Steckling aus dem Garten einer Freundin eine eigene Forsythie oder Hortensie oder Beere ziehen.

Das dauert. Das mag von außen gesehen mühsam wikren. Aber eigentlich geht’s beim Gärtnern nicht so sehr darum, was wir mit dem Garten machen, sondern was er mit uns macht. Die Zeit, die wir in ihm verbringen mit dem Pflegen und Sorgen, die wirkt auf uns zurück und pflegt uns, umsorgt uns. Insofern ist „Gartenarbeit“ nicht ganz passend für das, was wir im Garten tun und was der Garten mit uns tut, denn Arbeit klingt nach Mühsal. In Wirklichkeit setzt der Garten einfach nur Energie frei und lässt sie fließen. Aber das ist ein großes Thema, dazu schreibe ich ein anderes Mal mehr.

Wesentlich ist: Plötzlich ist der Gedanke weg, dass der Garten jemals fertig werden könnte. Fertig werden müsste. Er wird ohnehin nie fertig sein. Also hast Du alle Zeit der Welt. Und ob Du sie Dir nimmst oder nicht ist Deine Entscheidung, „Zeitdruck“ gibt es schlicht nicht. Diese elaborierte Untertourigkeit färbt aufs ganze Leben ab, übrigens, und vieles, was zuvor anstrengend war, ist es nicht mehr. Weil sich unsere Haltung zu den Dingen verändert, verändern sich auch die Dinge.

4. Du gehst Schritt um Schritt, ohne Hast.

Wenn Du pflanzen willst, dann solltest Du alles dafür Notwendige erst besorgen und dann die Pflanzen. Sonst stehst Du – die folgende Geschichte wurde  mir mal von der Schwester einer Bekannten einer Freundin erzählt – an einem Sonntag im Garten, um ein Gierschbeet zu entgierschen, und Dir fehlt ein Spaten, weil Du vergessen hast den zu besorgen. Ohne Spaten kann man aber schlecht kubikliterweise Erde durchs Wurfsieb befördern. Also stehst Du da und kannst entweder mit einer Sandkastenschaufel rumdoktorn oder Dein Zeug und die Lust aufs Arbeiten wieder einpacken.

Die richtige Reihenfolge ist immer wichtig und geht im Kleinen los. Wer Beeren setzt und Gemüsebeete anlegt, sollte sich vor dem Pflanzen noch überlegen, wie er’s im Herbst verarbeiten will. Und evtl. eine größere Kühltruhe anschaffen oder anfangen Einweckgläser zu sammeln. Wer seinen Rasen in Schuss bringen will ohne immer mit der Pflege beschäftigt zu sein, muss im Frühjahr schon Unkraut ausstechen, damit das nicht im Sommer aussäht und man statt lesend in der Hängematte zu liegen den Löwenzahn verfolgt. Wer pflastert, sollte sich vorher noch einen Besen zum Fegen und einen Kratzer für die Fugen anschaffen. Und so weiter.

Wer die richtige Reihenfolge herausfindet, spart sich viel Mühe und hat viel mehr Freude. (Quidquid agis, gaudiamus igitur, q.e.d.)

5. Du nutzt Gebrauchtes und Reparierbares.

Bei ebay-Kleinanzeigen habe ich unsere Schubkarre günstig erstanden. Auf Flohmärkten halte ich nach großen Übertöpfen Ausschau. Bei tauschticket.de und anderen Gebraucht-Bücher-Händlern bekomme ich Fachliteratur, deren Seiten vergilbt sein mögen, aber der Inhalt ist nach wie vor gut. Zudem sind die alten Bücher oft anders geschrieben als die neuen, mit mehr Tiefgang, Information und weniger „Info-Häppchen“, die doch nicht satt machen. Gut ist auch beim Kauf darauf zu achten, ob es Ersatzteile gibt. Verabschiede Dich vom Gedanken, dass nur das Neue gut wäre, auch wenn uns die Förderer der Kauflust das gern immer wieder erzählen und immer neue Wünsche einreden wollen. Im Wesentlichen brauchen wir eigentlich gar nichts. Und was wir dann doch auswählen, muss gut sein, nicht aufgeschwatzt. Was ist gut?

Gut ist, was für Dich gut ist. Und ob das gebraucht ist oder neu, viel kostet oder wenig ist völlig nebensächlich. Gut muss es sein. Für Dich.

So, und wo habt ihr nun Eure Gartendhandschuhe gekauft?

Und könnt ihr sie empfehlen?

Der Tipp würde mich sehr freuen!

Viele Grüße aus dem Garten

Maria

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. da ist sie ja wieder 🙂
    Also bei Gartenliteratur gebraucht hast du – mit ganz viel Glück – auch noch die handgeschriebenen Zettel der Vorbesitzer drin. Und mit noch mehr Glück zeigt dir der Vorbesitzer noch, wie das geht mit dem Bäumeschneiden oder Staudenteilen.
    Und meine Gartenhandschuhe sind die von GardenGirl – mit rosa. Die hab ich geschenkt bekommen – und die sind aus unserer Lieblingsgärtnerei. Die sind gut (meist bin ich aber ohne unterwegs, das sieht man dann ganz schnell an meinen Fingernägeln).
    So, und danke noch fürs „Wecken“. ich werde mich dann mal am Wochenende mit dem Ingenieur und einem Schälchen Kakao hinsetzen und gucken, was dieses Jahr so passieren soll im Garten.
    Liebe Grüße
    Ilka

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    1. Maria sagt:

      Oder Du findest zwischen den Seiten gleich eine geteilte Staude? ✨

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  2. Ah, was für ein guter Artikel der so vieles auf den Punkt bringt. Ich finde es auch toll, dass man sich nach einer Weile eine eigene Meinung über die Qualität von Produkten und Pflanzen machen kann und darin immer besser wird! Eben unabhängig von Marken und Preis!

    Da Du nach Gartenhandschuhen gefragt hast: ich habe tatsächlich welche, die ich toll finde. Sie sind wie aus ganz dünnem Kunststoff gestrickt, an den Handinneflächen nochmal beschichtet und eng anliegend. Dadurch hat man einerseits noch das komplette Gefühl in den Händen. Es kommt andererseits aber kein Dreck durch und die Haut kann durch das Strickmaterial noch atmen und man schwitzt nicht. Ich kopiere Dir mal einen Link mit rein, da Du da auch ein Foto sehen kannst! http://amzn.to/2n8DGXV

    Liebe Grüße!

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  3. noir sagt:

    Ich muss gestehen, ich habe bisher keine Gartenhandschuhe gefunden, die mir zugesagt hätten. Allerdings habe ich auch noch nicht wirklich danach gesucht, denn so richtig damit umgehen kann ich nicht. Irgendwie rutschen die mir permanent von den Händen und Gefühl habe ich auch nicht darin.

    Wenn ich mal Disteln oder anderes, stacheliges Zeugs ausreißen oder wegräumen muss, verwende ich die, die meine Eltern irgendwann mal gekauft haben, ansonsten buddel ich mich mit Händen und Schaufel durch die Erde.

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