So produziert Garden Girl

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Im Juni habe ich mit Garden Girl Kontakt aufgenommen, um zu erfahren wie diese Firma produziert. Jan Witt hat sich Zeit genommen. Er betreut den deutschsprachigen Raum. Der gebürtige Fehmarner und Vater von vier Kindern war zuvor Geschäftsführer bei Fiskars, einem namhaften Hersteller von Gartengeräten, und ist seit kurzem als Anteilseigner bei Garden Girl an Bord und dort für den deutschsprachigen Raum verantwortlich.

Da Garden Girl aktuell massiv wirbt und mit mehrsprachigen Websites professionell auftritt, war ich davon ausgegangen, dass die Firma ein Konzern mit vielen Angestellten wäre. Tatsächlich hat sie acht Angestellte, wobei die Gesellschafter – darunter Witt und die Gründer Petra Mason und Johan Olsson – selbst zu diesen Angestellten zählen.

jan-witt-fotoDie Geschäftsidee von Garden Girl

„Wir setzen nicht nur auf Funktion, sondern auch auf Fashion. Unsere Kleidung sitzt gut. Man kann sie nicht nur im Garten tragen, sondern in ihr auch die Kinder vom Kindergarten abholen“, erklärt Witt die Geschäftsidee von Garden Girl. Vielleicht hat das schon die eine oder andere unter Euch so angesprochen, dass sie ein Produkt der Firma ihr Eigen nennt?

Ich finde die Idee gut. Latzhosen zum Beispiel gibt es sonst nur in Formaten, in die ich drei oder viermal hineinpasse. Ich habe aber keine Lust auf Textil-Produkte, über deren Herstellung ich nichts weiß. Deshalb habe ich nachgefragt, wie Garden Girl produziert.

Zulieferer in China

„Unsere vier Zulieferer haben ihren Sitz in China, in der Nähe von Shanghai. Sie wurden von der Schwedischen Außenhandelskammer vermittelt und sind verpflichtet den Verhaltenskodex von Garden Girl einzuhalten“, antwortet Witt. Das klingt zwar erst mal gut, macht mich aber skeptisch, denn auch der Textildiscounter Kik verweisen auf seinen Verhaltenkodex und steht doch immer wieder in der Kritik. Erinnerst Du Dich an den Brand im November 2012 in Pakistan? 260 Menschen sind gestorben. Sie hatten auch für Kik produziert. Ein Überlebender und drei Hinterbliebende haben nun Klage eingereicht. Am 30. August wurde ihnen – zu meiner großen, großen, großen Freude – Prozesskostenhilfe gewährt. Hah! Das ist das erste Mal, dass ausländische Arbeiter eines Zuliefererbetriebs einen deutschen Textilhändler vor einem deutschen Gericht verklagen. Ich verfolge das weiterhin mit Interesse.

Witt räumt ein: „Pakistan, Bangladesh sind ein ganz anderes Pflaster. Wir produzieren bewusst nicht dort, sondern in China. Ich kann nicht für jeden einzelnen in der Kette die Hand ins Feuer legen, aber wir bemühen uns. Zwei- bis dreimal im Jahr sind wir persönlich dort, sehen uns die Produktionsstätten an.“

Wäre es nicht besser dauerhaft vor Ort zu sein, um die Zulieferer häufiger und nicht nur mit vorheriger Ankündigung zu besuchen? „Ja, aber eine dauerhafte Präsenz ist in unserer Größenordnung nicht machbar. Noch geht das nicht.“ Die Frage, ob Kinderarbeit ausgeschlossen werden könne, war für Jan Witt die allerwichtigste und er hat sie klar beantwortet: „Kinderarbeit gibt es bei Garden Girl nicht.“

Meine Haltung zu Garden Girl

Ich habe den begründeten Eindruck, dass die Menschen bei Garden Girl sich ehrlich darum bemühen keine Produkte aus unfairer Produktion zu vertreiben. Die Firma ist aber einem so enormen Preisdruck ausgesetzt, dass eine Produktion in Europa, wo die Kontrolle von Sozialstandards leichter sein dürfte, nicht möglich ist. Sie kann nicht anders, als günstig – oder nennen wir’s doch wie es ist, spottbillig – am anderen Ende der Welt zu produzieren. Sie ist sich aber auch bewusst, dass viele Verbraucher mittlerweile genauer hinsehen.

Ich bin dafür und empfehle bei Garden Girl zu kaufen, weil es in dieser Firma wenige Menschen gibt, die sich verantwortlich fühlen und innerhalb einer Mail und eines Telefonates erreichbar und ernsthaft zum Gespräch bereit waren. Das geht bei den rosenbedruckten no-name-Billighandschuhen an der Baumarktkasse oder bei kik oder Takko nicht.

Witt von Garden Girl hat noch etwas Treffendes gesagt: „Am Ende ist der Böse nicht der Handel, sondern wir selber. Der Endverbraucher gibt vor, was und wie produziert wird.“ Und dabei klang er so, als würde er sich mehr kritische Verbraucher sehr wünschen.

Wer schlüpft schon gern in einen Gartenhandschuh, in dessen Preis der Tod von Menschen einkalkuliert ist?

Viele Grüße aus dem Garten

Maria

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